Bautzen, 11.12.2012, von Christoph Scharf

Explosionsgefahr in Bautzener Firma

Ein Brand in einem Silo in Teichnitz drohte gestern außer Kontrolle zu geraten. Doch das Feuer ist nicht das einzige Problem.

Eingefroren: Feuerwehrleute müssen per Gasbrenner die Hydranten auftauen

Die Gefahr ist kaum zu sehen – aber umso tückischer. Seit den gestrigen Morgenstunden ist die Bautzener Feuerwehr in einem Großeinsatz, um einen Silobrand im Industriegebiet Nord zu löschen. Dort war um 7.17 Uhr Feuer in einem Spänebunker gemeldet worden. Mitarbeiter der Treppenbaufirma Jatzke hatten beim Arbeitsbeginn Brandgeruch wahrgenommen und die Feuerwehr alarmiert. Als Erstes rückt die Berufsfeuerwehr an, die allerdings sofort weitere Kräfte anfordert: Denn der Brand des 200 Kubikmeter Holzspäne fassenden Betonsilos lässt sich mit konventionellen Mitteln nicht unter Kontrolle bringen. „Es besteht die Gefahr einer Staubexplosion“, sagt Kreisbrandmeister Manfred Pethran, der die Einsatzleitung unterstützt.
Solange die Holzspäne innerhalb des Silos glimmen und keine Luft rankommt, bleibt das Feuer unter Kontrolle. Allerdings lässt sich der Brand so auch nicht bekämpfen – die Glut würde sich immer weiter durch die Späne fressen. Zunächst gibt es die Überlegung, die Luken des Spänebunkers zu öffnen, um an den Brandherd zu gelangen – so würde aber schlagartig Sauerstoff einströmen. Mit verheerenden Folgen: Es könnte sich ein hochexplosives Luft-Staub-Gemisch bilden. Und gefährliche Glutnester finden sich bereits mehr als genug im zu zwei Drittel gefüllten Betonsilo.
Das zeigt sich, als die Kameraden von unten einen Zugang zum Spänebunker schaffen, der eigentlich für die Beheizung der Firma da ist. Als sie die erste Röhre zwischen Silo und Heizkessel abnehmen, schlagen den Feuerwehrleuten bereits Flammen entgegen. Da steht allerdings schon ein Löschtrupp mit Schlauch parat, der das offen lodernde Feuer gleich wieder erstickt. Doch die Gefahr ist damit nicht gebannt – zumal die zeitweise bis zu 40 Einsatzkräfte das Wasser nur sparsam einsetzen, um keine Glatteisfläche mitten im Industriegebiet Teichnitz anzulegen.
Die winterlichen Bedingungen sind sowieso schon schwierig genug: Bei der Anfahrt auf schneeglatter Straße kommt ein Feuerwehr-Lkw ins Rutschen und landet im Straßengraben. Die Hydranten an der Neuteichnitzer Straße liegen unter Schnee und Eis, so dass sie erst per Gasbrenner aufgetaut werden müssen. Aber Wasser ist im Moment sowieso kaum hilfreich. Denn die Idee, den gut zwölf Meter hohen Silo von oben komplett mit Wasser zu fluten, wird auch alsbald verworfen: Dann würde sich in dem Betonturm ein kompaktes Wasser-Holzspäne-Gemisch bilden, das bei den Temperaturen ziemlich schnell zu einem kompakten Block frieren würde. Und wie soll man den in absehbarer Zeit wieder herausbekommen? Schließlich ist die Treppenbaufirma auf ihre Heizung angewiesen. „Der Holzstaub fällt bei uns aus technologischen Gründen sowieso an“, sagt Inhaber Torsten Jatzke. Damit zu heizen, ist mehr als zweckmäßig – wenn auch nicht ganz ungefährlich. „Zwar gibt es mehrere Sicherheitsvorkehrungen, aber die können eben nicht alles verhindern“, sagt der Geschäftsführer. Einen Zwischenfall dieser Größenordnung hat Torsten Jatzke allerdings noch nicht erlebt.
Auch für die Feuerwehrleute ist das eine neue Herausforderung. Mittlerweile versuchen sie, über eine vor Ort angefertigte Rutsche Stück für Stück den Silo zu entleeren. Die Späne müssen möglichst sanft auf den Boden kommen, damit keine explosive Staubwolke entsteht. Der Brandgeruch wird stärker, beißender Rauch quillt aus dem Anbau. In dem sandfarbenen Holzmehl verbergen sich immer wieder glühende Batzen.
Doch schnell wird klar: Auf diese Weise lassen sich die geschätzten 140 Kubikmeter Späne nicht aus dem Silo bekommen. Ein Abpumpen per Lkw scheidet auch aus – dabei könnten Glutnester in das Transportfahrzeug gelangen und ein neues Feuer auslösen. Jetzt hilft nur noch eine Lösung: Ein Löschangriff mit Stickstoff. Dafür wird in Dresden ein Spezialtransporter angefordert, der bei der Witterung nur mit einer Sondergenehmigung fahren darf und nur langsam vorankommt. Derweil rückt am Nachmittag das Bautzener Technische Hilfswerk (THW) an, um ein Loch in den 17 Zentimeter dicken Betonsilo zu bohren. Dadurch soll Stickstoff eingeleitet werden, um die Brandherde zu entsticken. Gleichzeitig wird oben Kohlenmonoxid abgeleitet. Allerdings muss der Stickstoff mindestens acht Stunden wirken. Laut städtischer Pressestelle werden die Bautzener Feuerwehrleute gegen 21 Uhr abgelöst – 14 Stunden nach der Alarmierung.

(Sächsische Zeitung vom 12.12.2012, Text: Christoph Scharf, Fotos: RP, Uwe Soeder)


  • Eingefroren: Feuerwehrleute müssen per Gasbrenner die Hydranten auftauen

  • Ausgerutscht: Beim Einsatz in Teichnitz landet ein Feuerwehrauto im Graben

  • Betroffen: Die Treppenbaufirma bunkert Späne, um damit zu heizen

  • Gefordert: Per Drehleiter versuchen Kameraden der Bautzener Berufsfeuerwehr, an den Brandherd in einem Holzspäne-Silo zu gelangen. Die Türen der Anlage im Bautzener Norden durften sie nicht öffnen – sonst hätte die eindringende Luft eine Explosion ausgelöst.

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